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Honor: Was taugt der Huawei-Ableger mit Google-Apps?

Die chinesische Firma Huawei kann auf eine rege Fanbase zählen – oder besser gesagt: „konnte“. Denn seit dem Handelsstreit zwischen China und den USA müssen Smartphones dieses Herstellers leider ohne Google Play auskommen. Damit sind viele Apps für neue Huawei-Phones schlichtweg nicht mehr verfügbar – ein Manko, das sich auch in den Verkaufszahlen des Unternehmens niederschlägt. Doch Fans von China-Handys müssen nicht verzagen, denn es gibt einen neuen Player: Honor, einst eine Tochterfirma von Huawei, ist nun komplett selbstständig und darf daher auf Google-Apps zugreifen.

Wie um diesen Umstand zu feiern, präsentiert das Unternehmen gleich drei neue Modelle für den internationalen Markt: das Honor 50, das Honor 50 Pro und das Honor 50 Lite. Zeit also, diesen Modellen auf den Zahn zu fühlen und die Frage zu klären: Taugt Honor als Alternative zum abgestraften Hersteller aus Shenzhen?

Außerdem gehen wir darauf ein, ob und wie du deine Lieblings-Apps auch auf neuen Smartphones von Huawei zum Laufen bringen kannst.

Huawei-Smartphones ohne Google-Apps – Die Hintergründe

Drehen wir die Uhrzeiger zurück ins Jahr 2019. Im August dieses Jahres erreichte der Handelsstreit zwischen der USA und Huawei seinen Höhepunkt (wir berichteten). Die Gründe dafür sind vielfältig – und reichen von der engen Verzahnung von Huawei mit der chinesischen Regierung bis zu Bedenken, das Unternehmen würde amerikanische User ausspionieren.

Ob diese Vorwürfe nun berechtigt sind oder einen politischen Schachzug darstellen: Die Regierung Trump setzte nicht nur ein Lieferembargo für Chips durch, sondern verbot auch Google, weiter Apps für Huawei-Smartphones bereitzustellen.

Konkret heißt das: Kunden, die ein nach Mai 2019 produziertes Handy des Herstellers kaufen, müssen auf Google Play verzichten – und damit auf alle Apps in diesem Store. Betroffen sind Modelle der Huawei P40-Reihe sowie die 2021 erschienen Geräte P50 und P50 Pro, um nur einige zu nennen.

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USA gegen China: Huawei leidet seit dem US-amerikanischen Embargo im Jahr 2019.

Huaweis Trennung von Honor – Die Rettung für Nutzer von Google-Apps

Bis vor Kurzem war der Name Honor nur wenigen Smartphone-Nutzern ein Begriff. Das liegt daran, dass die Firma lange Zeit ein Tochterunternehmen von Huawei war. Erst im November 2020 wurde Honor durch die chinesische Investorengruppe Shenzhen Zhixin New Information Technology aufgekauft.

Da Honor nun ein eigenständiges Unternehmen war, fielen auch die Handelsbeschränkungen seitens der USA weg. Damit durften Smartphones der Firma wieder mit dem Google-Betriebssystem Android ausgestattet werden – und mit allen Apps der Kalifornier.

Das dürfte bei vielen Fans von China-Handys freudige Erwartung wecken: Günstige Preise aus Fernost, gepaart mit der gewohnten Vielfalt eines Google Play Stores? Ob diese Rechnung aufgeht, verraten wir im Folgenden.

Honor 50 – Aushängeschild und Allrounder der Mittelklasse

Um es kurz zu machen: Das 2021 erschienene Honor 50 kommt in der Fachpresse gut an – vor allem dank seiner schnellen Hardware, der Display-Qualität und der vier Kameras auf der Rückseite. Die Akkulaufzeit geht mit knapp 10 Stunden in Ordnung, 120 Hz sorgen für butterweiche Bewegungen auf dem Bildschirm, und wer es besonders schnell mag, holt sich die Variante mit 12 GB RAM.

Fazit: Als Mittelklasse-Smartphone stellt das Honor 50 in keinem Bereich neue Bestnoten auf, lässt jedoch im Alltag kaum Wünsche übrig.

Beim Design erwartet Kenner von Huawei-Phones ebenfalls wenig Neues. Wer auf die gerundeten Kanten eines P30 Pro steht, wird auch mit dem Honor 50 glücklich werden.

Gibt es auch etwas zu meckern? Ja, aber glücklicherweise auf hohem Niveau. Manche Tester würden sich eine matte Oberfläche wünschen, die Fingerabdrücke verdeckt. Eine Klinkenbuchse für Kopfhörer wäre nett gewesen – genau wie ein MicroSD-Slot – und wasserdicht ist das Honor 50 leider auch nicht. Das sind alles handfeste Einbußen, die bei einem Preis von knapp 530 Euro jedoch verschmerzbar erscheinen.

Apropos Preis: Das fast baugleiche Huawei Nova 9 gibt es in Deutschland bereits ab 500 Euro zu kaufen – jedoch ohne Google-Apps.

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Da ist das Schmuckstück: Honor präsentiert das Honor 50 mit Google-Apps.

Honor 50 Pro – Wenn´s ein bisschen mehr sein darf

Das Honor 50 Pro ist 0,2 Zoll größer und besitzt eine höhere Auflösung als die Standard-Variante – ist dafür aber auch 12 Gramm schwerer. Um 1,1 Prozent dünnere Ränder dürften im Alltag kam ins Gewicht fallen, und auch die Hardware ist gleichgeblieben – nur, dass das Honor 50 Pro bei 256 GB Speicher und 8 GB RAM beginnt.

Auffällig sind die zwei Kameras auf der Frontseite. Damit richtet sich dieses Modell vor allem an Vlogger, die sich perfekt in Szene setzen möchten. Ob du dieses Feature auch benötigst, wenn du nur ab und zu ein Selfie knipst, musst du selber entscheiden.

Schon eher ein handfester Vorteil für die Masse ist die Ladezeit: Diese präsentiert sich dank 100 (statt 66) Watt deutlich schneller als bei der Basisvariante.

Honor 50 Lite – Ein Smartphone für den kleinen Geldbeutel

Honors neues Budget-Smartphone, das 50 Lite, steht bereits in den Startlöchern. Etwa 300 Euro soll das gute Stück kosten. Dafür erwarten Käufer folgende Abweichungen vom Honor 50 und 50 Pro:

  • Mit 192 Gramm ist das Lite ironischerweise die schwerste Version der Produktreihe. Und auch bei der Größe fehlen nur 0,5 Zoll zur Pro-Version.
  • Die Auflösung entspricht der des Honor 50, jedoch kommt „nur“ ein LCD-Bildschirm zum Einsatz. Vor allem bei den Kontrasten hat OLED-Technologie die Nase vorn.

  • 6 GB RAM und maximal 128 GB Speicherplatz stehen für die deutsche Version zur Verfügung. Wie bei den anderen Honor 50-Versionen ist der Speicher NICHT erweiterbar.

  • Auch das Kamera-Modul mit vier Objektiven entspricht der Basisvariante. Jedoch wurde die Auflösung der Hauptlinse um fast die Hälfte verringert. Auch 4K-Videos und 60 Bilder pro Sekunde sucht man beim Honor 50 Lite vergebens. Auf der Vorderseite prangt, wie beim Honor 50, eine Kamera.

Google Play-Services sind für das Honor 50 Lite verfügbar.

Google-Apps auf älteren Huawei-Smartphones – Mögliche Lösungen

Dass Honor-Geräte wieder mit Apps aus dem Google Play-Store kompatibel sind, ist eine gute Nachricht für alle Neukäufer. Doch was ist mit Kunden, die ein älteres Huawei-Modell erworben haben? Müssen diese nun auf ihre geliebten Apps verzichten?

Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht, denn Huawei hat bereits Ersatz geschaffen: Dieser nennt sich HMS – kurz für Huawei Mobile Services: ein Store, der mit zahlreichen Apps ausgestattet ist. Genauer gesagt handelt es sich um einen ganzen Kosmos an Anwendungen für alle Lebenslagen: von E-Mail und Cloud bis zu Karten, Musik, Video-Streaming und Spielen. Das Angebot wächst stetig und die Chancen stehen gut, dass Huawei einen adäquaten Ersatz für deine Lieblings-Apps parat hat.

Auch Apps von Drittanbietern sind vom Handelsstreit nicht betroffen. Du kannst also beispielsweise Anwendungen aus dem Amazon App-Store problemlos auf dein Huawei-Gerät laden.

Doch bei der Vielfalt an Apps bleibt es dabei: Wer auf Software wie Gmail, Google Maps oder PlayMusic nicht verzichten kann, schaut bei neuen Huawei-Handys leider in die Röhre – zumindest offiziell. Denn inoffiziell gibt es einen Weg, um in den Genuss von Google-Diensten zu kommen.

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Huawei ist seit 2019 ohne Google unterwegs: Es gibt aber Wege, um die beiden wieder zusammenzuführen.

Die Alternative: Smartphone rooten?

Eine Vorgehensweise bleibt: Und zwar das manuelle Installieren von Apps. In der Szene spricht man von Rooten (Android) oder Jailbreaken (iOS). Das funktioniert mit sogenannten APK-Dateien, die du entweder vom App-Entwickler selbst oder von Drittanbietern erhältst. Die Installation ist kein Hexenwerk und Anleitungen gibt es im Internet – beispielsweise auf YouTube – zur Genüge.

Jedoch ist diese Vorgehensweise nicht allen Nutzern geheuer – nicht nur, weil dazu solide technische Grundkenntnisse nötig sind, auch kann es durchaus passieren, dass man das Gerät dabei vollkommen außer Gefecht setzt, sodass es nicht mehr genutzt werden kann (man spricht dann von einem „Brick“). 

So ein tiefer Eingriff in das Betriebssystem eines Smartphones führt ebenfalls zum Verlust der Garantie. Darüber hinaus vertrauen viele User lieber dem „Original“, wenn es um sensible Apps für Online-Banking geht. Oft fehlen auch schlicht und einfach die nötigen Lizenzen, um Banking-Apps zu installieren.

Fazit: Wer sich mit diesen Mankos abfinden kann, den erwarten tolle Schnäppchen, denn: Genau aufgrund des fehlenden Play-Stores sind Smartphones von Huawei gerade besonders günstig zu haben.

Alle anderen sollten sich die hier vorgestellten Modelle der Firma Honor genauer ansehen. Diese können zwar nicht mit den Tiefstpreisen von Huawei mithalten, erlauben dafür aber Zugriff auf alle Google-Apps – so wie in der Zeit vor dem Handelsstreit.

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