Nachhaltige Fairphone

Fairphone: Wie gut sind die nachhaltigen Smartphones?

Wenn es um ökologische und soziale Nachhaltigkeit geht, weisen viele Smartphones Schwächen auf. Nicht nur verbrauchen die Geräte Ressourcen, die begrenzt verfügbar sind. Sie lassen sich außerdem nur schwer reparieren, sodass Nutzern oft nichts anderes übrigbleibt, als ein neues Smartphone zu kaufen. Zusätzlich stellen sog. Konflikt-Mineralien wie Coltan und Cobalt sowie die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung ein Problem dar.

Bereits seit einigen Jahren gibt es eine nachhaltige Alternative – und zwar vom Hersteller Fairphone: Dessen Smartphones, die mit Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit punkten, sind mittlerweile in der vierten Generation verfügbar – Zeit also, sie genauer unter die Lupe zu nehmen: Wir verraten Dir, ob Fair Phone 3 und 4 neben der Nachhaltigkeit noch mehr Stärken bieten.

Anschließend beleuchten wir Alternativen zum Fairphone und verraten, welche Schritte andere Hersteller für mehr Nachhaltigkeit unternehmen.

Fairphone 4

Was macht das Fairphone so nachhaltig?

Fairphones Philosophie beruht vor allem auf zwei Säulen:

Modularer Aufbau

Kaputte Displays, Kameras oder Akkus stellen für viele Smartphones ein Todesurteil dar, da die Teile nur schwer ausgetauscht werden können – nicht so beim Fairphone. Hier setzt die Firma auf Modularität: Das heißt, Du kannst kaputte Bauteile unkompliziert austauschen. Ein Schraubenzieher genügt, und im Inneren des Gehäuses findest Du die passende Anleitung.

Nachhaltige Rohstoffe

Fairphone verwendet bei der Produktion fair gehandelte Rohstoffe – beispielsweise Fair Trade Gold. Konflikt-Mineralien sind tabu, und die Arbeitsbedingungen müssen strengen sozialen Standards entsprechen. Soweit möglich, stammen die Materialien aus recycelten Quellen. Außerdem hat sich Fairphone dazu verpflichtet, für jedes verkaufte Gerät die gleiche Menge an Elektroschrott zu recyceln. Da verwundert es nicht, dass der Hersteller mit der EcoVadis-Medaille für besondere Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde.

Fairphone Nachhaltigkeit

Fairphone 4 – das aktuelle Modell

Das 2021 erschienene Fairphone 4 stellt das neuste Modell des Herstellers dar. Es kostet je nach Ausstattung zwischen 580 und 654 Euro, und bietet folgende Features:

Design und Verarbeitung

Das Fairphone 4 besitzt eine 6,3 Zoll-Diagonale, ist im Vergleich also weder besonders groß noch besonders klein. Rahmen und Rückseite bestehen aus recyceltem Kunststoff, während die Frontseite durch eine Schicht aus Gorilla Glass 5 geschützt wird. Apropos Schutz: Dieser ist beim Fairphone – bedingt durch das modulare Design – nur in Maßen vorhanden. Immerhin weist das Gerät eine Zertifizierung nach IP54 auf. Damit kann das Gehäuse Staub und Spritzwasser standhalten. Untertauchen solltest Du das Fairphone 4 jedoch nicht. Optisch erwartet dich ein durchaus zeitgemäßer Look mit abgerundeten Kanten und einer Höhe von 10,5 mm. Dieser Eindruck wird von den Displayrändern getrübt, die wesentlich dicker ausfallen als bei den meisten aktuellen Smartphones. Außerdem liegt das Fairphone 4 mit 225 g recht schwer in der Hand. Zum Vergleich: Das im selben Jahr erschienene Galaxy A32 wiegt nur 184 g und ist sogar 0,1 Zoll größer.

Display

Das Display des Fairphone 4 ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sorgen 1080 x 2340 Pixel für eine Full HD-Auflösung, die in Sachen Schärfe kaum Wünsche offenlässt. Auf der anderen Seite besitzt das Fairphone nur einen IPS LCD-Bildschirm. Dieser wirkt im Vergleich zu OLED-Displays recht kontrastarm. Auch die Wiederholungsrate von 60 Hz gehört heutzutage längst nicht mehr zum Standard, und günstigere Vergleichsgeräte bieten bereits 120 Hz für eine flüssige Darstellung. Natürlich könnte man argumentieren, dass Fairphone so die Nachhaltigkeit fördert, da 60 Hz-Displays sehr sparsam im Verbrauch sind. Trotzdem bleibt es dabei: Das Fairphone 4 setzt auf Zweckmäßigkeit statt visueller Hochgenüsse.

Hardware

Im Inneren des Fairphone 4 arbeitet ein Snapdragon 750G 5G mit acht Rechenkernen und – je nach Version – 6 oder 8 GB Arbeitsspeicher. Dieser Chip kommt heute vor allem für Einsteiger-Handys zum Einsatz, wirkt also in der Preisklasse des Fairphone 4 etwas schwachbrüstig. Zum Surfen, Telefonieren, Fotografieren und die Nutzung alltäglicher Apps ist er allemal geeignet. Gamer, die Hardware-Kracher wie Genshin Impact ruckelfrei erleben möchten, sollten aber nicht zu viel erwarten.

Überzeugen kann dagegen der Akku. Dieser besitzt 3.905 mAh, was in Verbindung mit der moderaten Hardware und dem 60 Hz-Display für lange Laufzeiten sorgt. Ein ganzer Tag Dauernutzung stellt damit kein Problem dar. Nach Herstellerangaben lässt sich der Akku in nur 30 Minuten zu 50 % aufladen. Dieser Wert wird im Alltag jedoch kaum erreicht. Eher schon solltest Du mit 32 % in einer halben Stunde rechnen, während das komplette Aufladen gut und gerne 2 Stunden dauert.   

Kameras

Auf dem Papier wirkt das Kameramodul des Fairphone 4 auch im Jahr 2022 noch konkurrenzfähig. Es besitzt drei Objektive, wobei die Weitwinkel-Kamera mit 48 MP das Herzstück darstellt. Löblich: Optische Bildstabilisierung ist mit von der Partie und hilft, Wackler auszugleichen. In der Realität kann die Fotoqualität leider nicht ganz mit dem Datenblatt mithalten. Aufnahmen wirken ungewöhnlich dunkel, Bildrauschen ist an der Tagesordnung und die Schärfe lässt trotz 48 MP zu Wünschen übrig. Diese Punkte gelten umso mehr für die Ultraweitwinkel-Linse, bei der keine Bildstabilisierung zum Einsatz kommt. Videos nimmt das Fairphone 4 in 4K-Qualität mit 30 Bildern pro Sekunde auf – trotzdem bleibt es dabei: Die Kameras sind sicher kein Hauptgrund, dieses Smartphone zu kaufen. Hier bieten Vergleichsgeräte deutlich mehr Leistung für denselben Preis.

Features

In Sachen Ausstattung präsentiert sich das Fairphone 4 als Komplettpaket, das kaum Features vermissen lässt:

  • Da wäre zum einen der microSDXC-Slot, mit dem Du den internen Speicher erweitern kannst. Das ist praktisch, wenn Dir die mitgelieferten 128 bzw. 256 GB nicht ausreichen.
  • Sperren und entsperren lässt sich das Fairphone 4 mit dem seitlich angebrachten Fingerabdruck-Scanner. Ein kleines Manko: Du musst dafür die Power-Taste drücken.
  • 5G-Unterstützung ist ebenso vorhanden wie NFC für kontaktloses Bezahlen sowie die WLAN- und Bluetooth-Standards von 2021.
  • Das Fairphone 4 besitzt Stereolautsprecher mit kräftiger Lautstärke. Kopfhörer lassen sich in Ermangelung einer 3,5 mm-Buchse per USB-C oder Bluetooth anschließen.

Fazit

Das Fairphone 4 demonstriert, dass sich Nachhaltigkeit und Leistung nicht ausschließen müssen. Hardware, Akku und Kameras rangieren auf gutem Mittelklasse-Niveau. Das Problem: Dieses Smartphone besitzt keinen Mittelklasse-Preis. Vergleichbar teure Konkurrenzgeräte, etwa von Samsung, Huawei oder Xiaomi, bieten deutlich mehr Ausstattung für dasselbe Geld – vor allem, wenn es um die Display-Qualität geht. Natürlich kannst Du von diesen Smartphones nicht den gleichen Grad an Modularität und Umweltfreundlichkeit erwarten.

Fairphone 3

Fair Phone 3 und 3+

Wer Geld sparen möchte und gleichzeitig Wert auf Nachhaltigkeit legt, sollte sich die 3. Generation des Fairphone genauer ansehen. Das 2019 erschienene Fairphone 3 ist aktuell nur noch als B-Ware für etwa 250 Euro verfügbar, während die Plus-Version rund 430 Euro kostet.

Beide Smartphones besitzen mit 5,65 Zoll eine Display-Diagonale, die heute beinahe winzig wirkt, aber für einhändige Benutzung ideal ist. Das Gehäuse besteht aus Recycling-Kunststoff, und beim Fairphone 3+ wird das Display von Gorilla Glass 5 geschützt.

Apropos Display: Dieses präsentiert sich sehr ähnlich zum Fairphone 4. Auch in der 3. Generation erhältst Du einen IPS LCD-Bildschirm, der mit einer Pixeldichte von 427 ppi für zufriedenstellende Schärfe sorgt. Natürlich bleibt das Manko der 60 Hz-Wiederholungsrate, und die Displayränder machen ganze 26,4 % der Vorderseite aus. Man sieht dem Fairphone 3 sein Alter also deutlich an.

Auch die Hardware wirkt heute antiquiert: Beide Versionen besitzen einen Snapdragon 632-Chip, der ganze 4 Jahre auf dem Buckel hat. Dementsprechend genügt die Leistung nur noch für absolute Basis-Anwendungen: etwa Surfen, Telefonieren und alltägliche Apps. Beim Speicherplatz stehen 64 GB zur Verfügung, die Du per Micro SD-Karte erweitern kannst.

Typisch für die Marke erwartet dich ein herausnehmbarer Akku. Dieser ist mit 3.040 mAh deutlich schwächer als beim Fairphone 4. Die Akkuleistung präsentiert sich jedoch ähnlich ausdauernd, sodass Du problemlos durch den Tag kommst. Weniger rühmlich ist die Ladezeit: Bis das Fairphone 3 komplett gefüllt ist, kann es 2,5 Stunden dauern.

Bei den Kameras zeigen sich die größten Unterschiede zwischen Fair Phone 3 und 3+. Letztere Version besitzt 48 MP im Vergleich zu den 12 MP der Basisversion, ist für Hobby-Fotografen also die bessere Wahl. Optische Bildstabilisierung suchst Du bei beiden Modellen vergebens – genau wie ein zweites oder drittes Objektiv. Zum Fotografieren steht lediglich eine Weitwinkel-Kamera zur Verfügung. Dazu prangt auf der Vorderseite eine Selfie-Kamera mit 8 (Fair Phone 3) bzw. 16 MP (Fair Phone 3+). Beide Smartphones können in 4K-Qualität filmen. Weder Fairphone 3 noch 3+ sind 5G-fähig, sodass Du maximal in LTE-Geschwindigkeit surfen kannst. Als Trost erhältst Du – anders als beim Fairphone 4 – eine 3,5 mm-Buchse für ältere Kopfhörer.

Fazit

Leistungstechnisch gewinnen Fairphone 3 und 3+ heute keine Preise mehr. Als nachhaltige Zweithandys, etwa für die Arbeit, sind sie jedoch immer noch eine Überlegung Wert – vor allem aufgrund der langen Akkulaufzeit und des scharfen Displays. Trotzdem: Wer ein Smartphone sucht, das auch in der Freizeit eine gute Figur macht, ist mit dem Fairphone 4 besser beraten.

Smartphone Nachhaltigkeit

Weitere nachhaltige Smartphone-Marken

Fairphone ist nicht der einzige Hersteller, der nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien produziert. In dieselbe Kerbe schlagen folgende Smartphone-Marken:

Gigaset

Die Firma Gigaset produziert ihre Smartphones in Deutschland. Das hilft dabei, lange Lieferketten und damit verbundene Treibhaus-Emissionen zu vermeiden. Zwar sind die Geräte, anders als bei Fairphone, nicht modular aufgebaut. Dafür kommen Recycling-Verpackungen zum Einsatz und Gigaset verwendet für die Produktion 100 % CO2-freien Strom.

Terracube

Smartphones der Firma Terracube bestehen zu 25 % aus recyceltem Material. Außerdem bietet der

Hersteller vier Jahre Garantie – und animiert Nutzer so, ihre Geräte zur kostenlosen Reparatur einzuschicken, statt wegzuwerfen. Als i-Tüpfelchen pflanzt Terracube für jedes verkaufte Handy einen Baum.

Shiftphone

Shiftphone ist ein Berliner Startup, das nur wenigen Nutzern bekannt ist, da es größtenteils auf Ausgaben für Marketing und Werbung verzichtet. Wie bei Fairphone sind die Geräte modular, lassen sich also besonders einfach reparieren. Außerdem spendet das Unternehmen 5 % der Einnahmen für soziale und ökologische Projekte. Nicht umsonst ging der Deutsche Nachhaltigkeitspreis 2021 an Shiftphone.

Apple

Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr. Stattdessen streben auch große Hersteller danach, ihre ökologische und soziale Bilanz zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist Apple. Der iPhone-Hersteller hat sich das Ziel gesteckt, bis 2030 komplett klimaneutral zu werden. Auf die Bürogebäude trifft das bereits zu. Die Produktion ist jedoch immer noch auf Lieferketten angewiesen, die nicht komplett transparent oder nachhaltig sind. Immerhin setzt Apple beim iPhone 13 verstärkt auf recycelte Materialien wie Wolfram und seltene Erden. Auch präsentiert sich der CO2-Ausstoß wesentlich geringer als bei den Vorgänger-Modellen

Samsung

Auch der Elektronik-Riese Samsung setzt immer mehr auf nachhaltige Produktion. So werden für die Geräte verstärkt recycelte Materialien eingesetzt – beispielsweise alte Fischernetze, aus denen die Knöpfe von S22-Smartphones entstehen. Bei der Verpackung arbeitet Samsung aktuell daran, umweltschädliches Plastik durch Papier zu ersetzen. Außerdem dürfen die Rohstoffe nur aus zertifizierten Minen stammen, was die Sozialverträglichkeit erhöht. Programme zur Wiederverwertung alter Handys runden die Nachhaltigkeitspolitik von Samsung ab.

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