Smartphone-Mythen

12 Smartphone-Mythen auf dem Prüfstand

Jeder von uns benutzt sie, doch kaum jemand weiß, wie Smartphones genau funktionieren. Aus diesem Grund haben sich im Lauf der Jahre zahlreiche Mythen um diese Geräte gebildet. Manche davon – etwa explodierende Handy-Akkus oder gefährliche Strahlung – lassen sich relativ einfach entlarven. Bei anderen Mythen ist es schwieriger.

 

Teilweise steckt ein wahrer Kern dahinter, der auf ältere Modelle zutraf. Doch die Smartphone-Welt ändert sich in Rekord Geschwindigkeit: Vieles, was gestern stimmte, ist heute nicht mehr zutreffend. Darum wollen wir in diesem Artikel die 12 hartnäckigsten Smartphone-Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.

1.      Eine IP-Schutzklasse macht das Smartphone wasserdicht.

Viele aktuelle Smartphones verfügen über eine Schutzklasse wie IP67 oder IP68. Die zweite Ziffer steht hierbei für den Wasserschutz – etwa für 30 Minuten bei einer Tiefe von 1,5 m. Doch heißt das nun, dass dein Handy bei jedem Tauchgang im Pool mit dabei sein sollte? Wir raten davon ab!

Zum einen gibt die IP-Zertifizierung nur den Wasserschutz unter Laborbedingungen an: in stillem, reinem Wasser. Diese Bedingungen lassen sich im Alltag kaum replizieren. Zum anderen liegt die Schutzklasse einem neuen, unbeschädigten Smartphone zugrunde. Lässt du das gute Stück einmal zu oft fallen, können Haarrisse entstehen – und schon ist es mit der Dichtigkeit vorbei.

Dementsprechend lohnt sich ein Blick in die Garantiebestimmungen: Schäden durch Flüssigkeiten werden von den allerwenigsten Herstellern übernommen, und du musst im Ernstfall selbst für Reparatur oder Austausch bezahlen.

Fazit: Dein Smartphone mag unter den richtigen Bedingungen wasserdicht sein – ausprobieren solltest du es jedoch nicht.

2.      Vor dem Aufladen sollte der Akku komplett leer sein.

Dieser Mythos hatte seine Berechtigung – jedoch zu einer Zeit, als Smartphones noch mit Nickel-Cadmium-Akkus ausgestattet waren. Diese verloren mit der Zeit ihre Kapazität, wenn sie im gefüllten Zustand aufgeladen wurden.

Bei einem aktuellen Smartphone sollte der Akkustand hingegen nie auf 0 % fallen. Der Grund: Lithium-Ionen-Akkus können dadurch beschädigt werden und im schlimmsten Fall den Geist aufgeben. Stattdessen empfiehlt es sich, das Smartphone ab einer Restladung von 10–20 % ans Netzteil anzuschließen. Manche Geräte schalten sich sogar automatisch ab, wenn dieser Wert erreicht wird, sodass Schäden von vornherein ausgeschlossen sind.

Fazit: Das komplette Entladen ist bei heutigen Smartphones nicht mehr notwendig oder gar sinnvoll.

Smartphone-Mythen Akku laden

3.      Man sollte sein Smartphone nicht dauerhaft am Ladekabel lassen.

Viele Nutzer laden ihr Smartphone über Nacht auf, damit der Akku am nächsten Morgen komplett gefüllt ist. Jedoch erhöht dieses Vorgehen den Verschleiß, da der Akku unnötig oft geladen wird.

Zur Veranschaulichung nehmen wir an, dass dein Smartphone 8 Stunden am Ladekabel hängt. Nach einer Stunde sind 100 % erreicht und das Aufladen wird automatisch gestoppt. Anschließend entleert sich der Akku und das Laden beginnt von Neuem – mehrmals pro Nacht. So wird die Kapazität auf lange Sicht verringert. Wenn du den Akku schonen möchtest, solltest du ihn tagsüber aufladen – und das maximal bis 90 %. Alternativ kannst du das Smartphone vor dem nächtlichen Laden ausschalten und so mehrere Ladezyklen vermeiden.

Fazit: Dieser Mythos ist wahr. Wenn du den Akku deines Handys schonen möchtest, solltest du ihn nicht die ganze Nacht aufladen.

4.      Bei Kälte hält der Akku weniger lange durch.

Wo wir schon beim Thema Akku sind: Viele Nutzer berichten, dass ihr Smartphone an kalten Tagen weniger lang durchhält als in einer warmen Umgebung. Diese Beobachtung ist alles andere als subjektiv, sondern beruht auf simpler Physik: Heutige Lithium-Ionen-Akkus sind mit einer Flüssigkeit – sog. Elektrolyt – gefüllt, in der Ionen vom Minus- zum Pluspol schwimmen. Bei niedrigen Temperaturen wird der Elektrolyt zähflüssiger und die Ionen verlangsamen sich. Das verringert sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Lebensdauer des Akkus. Bei Extremtemperaturen kann es sogar passieren, dass das Smartphone sich aufgrund von Strommangel ausschaltet. 

Fazit: Wenn du willst, dass dein Smartphone an kalten Tagen länger durchhält, solltest du es nur bei Bedarf aus der Tasche ziehen.

5.      Das Entsperren per Gesichtserkennung ist unsicher.

Gesichtserkennung ist eine praktische Methode, um dein Smartphone ohne Tastendruck oder Eingabe eines Passworts zu entsperren. Doch bereits vor Jahren stießen Nutzer auf einen Schwachpunkt: Die Technik lässt sich ganz einfach überlisten. Alles, was du benötigst, ist ein Foto des Handybesitzers. Dieses hältst du vor die Kamera, und schon denkt das Smartphone, sein Besitzer würde das Handy entsperren.

Jedoch funktioniert diese Methode nur bei der sog. 2D-Gesichtserkennung. Manche Geräte – darunter aktuelle iPhones – greifen auf die wesentlich komplexere 3D-Gesichtserkennung zurück. Dabei analysiert der Sensor nicht nur markante Bildpunkte, sondern ein dreidimensionales Abbild des Gesichts. Ein Überlisten des Sensors ist nahezu unmöglich.

Fazit: Der Mythos ist teilweise wahr. 2D-Gesichtserkennung lässt sich wesentlich einfacher austricksen als ein Fingerabdruck-Scanner oder ein gutes Passwort. 3D-Erkennung gilt jedoch als sichere Methode.

6.      Du brauchst unbedingt ein Smartphone mit der neusten Hardware.

Smartphones werden immer leistungsstärker und können es mittlerweile sogar mit Laptops und PCs aufnehmen. Doch natürlich hat schnelle Hardware ihren Preis – bis zu 1.000 Euro oder mehr. Bevor du ein Gerät mit dem neusten Chip und massenhaft Arbeitsspeicher kaufst, solltest du dich also fragen: Benötige ich so viel Power im Alltag?

Tatsächlich sind sich viele Experten einig: Smartphone-Hardware hat in den letzten Jahren derartige Sprünge gemacht, dass die wenigsten Apps diese Leistung ausreizen können. Wer beispielsweise lediglich im Internet surfen, Videos ansehen und das ein oder andere Spiel spielen möchte, ist auch mit älterer Hardware noch gut beraten. Lediglich, wenn du die folgenden Fragen positiv beantwortest, solltest du ein besonders leistungsstarkes Smartphone kaufen:

  • Du benutzt häufig anspruchsvolle Software wie Bild- und Videobearbeitung, Augmented Reality Apps oder 3D Design.
  • Du möchtest besonders hardwarehungrige Spiele wie Genshin Impact, PUBG oder Call of Duty Mobile auf höchsten Einstellungen spielen.

Falls Du gerne viele Apps im Hintergrund laufen lässt und schnell zwischen ihnen hin- und herwechseln möchtest. Dann ist ein großer Arbeitsspeicher (RAM) besonders wichtig.

Smartphone-Mythen Gute Hardware

7.      Eine Kamera mit höherer MP Zahl ist automatisch besser.

Die Megapixel-Zahl einer Smartphone-Kamera gibt die Anzahl an Bildpunkten – und damit die Schärfe – an. Die Aussage, dass Kameras mit mehr MP detailliertere Fotos zaubern können, stimmt also. Jedoch sind die Unterschiede auf einem kleinen Handydisplay mit zunehmender Megapixel-Zahl nur noch bedingt sichtbar.

Zum anderen entscheidet nicht nur die Schärfe darüber, wie gut Aufnahmen mit dem Smartphone gelingen. Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen ist darüber hinaus die Größe der Sensoren – und damit die Lichtempfindlichkeit – wichtig. Optische Bildstabilisierung hilft, Wackler ohne Stativ auszugleichen, und auch der Optimierung per Software kommt eine immer größere Bedeutung zu. Bestes Beispiel dafür sind Smartphones der iPhone 13-Serie. Diese besitzen gerade einmal 12 MP, schneiden in Kamera-Tests jedoch ebenso gut wenn nicht besser ab als Geräte mit viermal höherer Auflösung.

Fazit: Die MP-Zahl ist nur ein Kennwert für die Qualität von Smartphone-Kameras – und sollte lediglich eine Priorität sein, wenn du Bilder großformativ ausdrucken oder stark vergrößern möchtest.

Smartphone-Mythen Gute Kamera

8.      Mehr Kameras liefern automatisch bessere Ergebnisse.

Die Zeiten, als Smartphones lediglich eine Rückseitenkamera besaßen, sind längst vorbei. Stattdessen rüsten viele Hersteller ihre Geräte mit drei oder sogar vier Objektiven aus. Doch sind mehr Kameras auch automatisch sinnvoll? Wie so oft solltest du dich nicht von der Quantität blenden lassen, sondern auf Qualität achten. Ein Beispiel: Wer gerne Nahaufnahmen knippst, wird ein Makroobjektiv am Handy zu schätzen wissen. Doch wenn die Fotos aufgrund niedriger Auflösung kaum zu gebrauchen sind, handelt es sich eher um einen Marketing-Trick des Herstellers als um ein ernstzunehmendes Werkzeug. Dasselbe gilt für Tiefen-Sensoren. Zwar kannst du deinen Portraits damit künstlerisch-verschwommene Unschärfeeffekte verpassen. Doch viele Smartphones erzielen die gleichen Effekte per Software. Bestes Beispiel ist das Google Pixel 6, das mit zwei Objektiven auskommt und trotzdem bei der Fotoqualität ganz vorne mitspielt. Fazit: Viele Kameras machen sich zwar gut im Werbeprospekt. Vor dem Kauf solltest du jedoch kritisch fragen: Sind die Linsen in der Lage, Fotos in der gewünschten Qualität aufzunehmen?

9.      Automatische Helligkeit hilft dabei, Akku zu sparen.

Das Smartphone-Display abzudunkeln ist ein effektives Mittel, wenn du die Laufzeit des Akkus verlängern möchtest. Natürlich denken nicht alle Nutzer im Alltag daran – also statten Hersteller ihre Smartphones mit automatischer Helligkeit aus. Dabei registriert ein Sensor den Lichteinfall und passt das Display so an, dass die beste Lesbarkeit gegeben ist. Doch spart das auch Energie? An dieser Frage scheiden sich die Geister.

Einerseits ist es richtig, dass die automatische Helligkeitsregelung auf Rechenprozesse angewiesen ist, die Strom verbrauchen. Auf der anderen Seite ist dieser Verbrauch jedoch wesentlich geringer als der Energiehunger des Displays. Eine Ausnahme wäre gegeben, wenn du häufig von einer sehr dunklen in eine sehr helle Umgebung wechselst und die Software im Dauereinsatz ist. Apropos helle Umgebungen: Wenn die automatische Helligkeit aktiviert ist, stellen viele Smartphones den Bildschirm im Sonnenlicht heller, als es mit manuellen Einstellungen möglich wäre. Das erhöht natürlich den Energieverbrauch.

Fazit: Die Antwort auf diese Frage hängt stark vom individuellen Verhalten ab. Unter gewöhnlichen Umständen hilft automatische Helligkeit den meisten Nutzern jedoch, Akku zu sparen.

10.       Apps aus inoffiziellen Quellen zu installieren ist gefährlich.

Dieser „Mythos“ ist besonders für Entwickler, Beta-Tester und Nutzer von Huawei Phones relevant, die keine Apps aus dem Google Play-Store herunterladen können. Diese sind darauf angewiesen, Apps manuell zu installieren. Das wiederum ist mit einem Risiko behaftet: Während Google Play und Apples App Store Programme auf Schadsoftware prüfen, ist diese Kontrolle bei inoffiziellen App-Seiten nicht gegeben. Im schlimmsten Fall handelt es sich bei der App um einen getarnten Virus. Darum empfehlen wir Otto Normal-Nutzern, die Installation von Apps aus unbekannten Quellen standardmäßig deaktiviert zu lassen. Wer dennoch auf entsprechende Apps angewiesen ist, sollte sich vorher gründlich über die Reputation des Herstellers und der Website informieren, um Betrugsversuche auszuschließen.

Fazit: Ja, die Installation von Apps aus unbekannten Quellen kann riskant sein und empfiehlt sich keinesfalls für Laien.

Smartphone-Mythen schädliche Software

11.      Virenscanner machen dein Handy zu 100 % sicher.

Das Internet ist ein gefährlicher Ort: Malware und Viren warten darauf, dein Smartphone auszuspionieren, Ransomware erpresst dich mit dem Sperren deines Bildschirms, und Hacker lauern auf sensible Daten wie Passwörter und Bankinformationen. Da macht es Sinn, zusätzlich zur eingebauten Sicherheitssoftware ein Anti-Virus-Programm zu installieren.

Was viele Nutzer unterschätzen: Nicht immer verwenden Betrüger ausgeklügelte technische Mittel, um an deine Informationen zu gelangen. Ein Beispiel dafür sind Nachrichten oder Anrufe von scheinbar offiziellen Behörden, bei denen du Kreditkarten-Nummern oder Passwörter weitergeben sollst. Teilweise geben sich Kriminelle sogar als Facebook-Freunde oder vertrauenswürdige Firmen aus. So kann sich der Link zur aktualisierten Banking-App im Nachhinein als Malware herausstellen, die tief in das System deines Smartphones eindringt.

Fazit: Eine Anti-Virus-Software auf dem Smartphone kann sinnvoll sein. Der beste Schutz ist jedoch immer noch ein gesunder Menschenverstand und Vorsicht bei der Weitergabe von persönlichen Daten.

12.      Wenn du dein Handy neu startest, arbeitet es danach schneller.

Dieser Mythos ist nicht ganz falsch – und kann für Nutzer älterer Smartphones sogar sinnvoll sein. Der Grund: Je mehr Apps du verwendest und im Hintergrund laufen lässt, desto mehr Arbeitsspeicher wird belegt. Das kann zu Engpässen führen und die Geschwindigkeit des Geräts sinkt. Beim Neustarten werden alle Prozesse beendet und du kannst auf einen komplett gefüllten Arbeitsspeicher zurückgreifen. Jedoch muss es nicht immer der Neustart sein. Alternativ kannst du Apps manuell beenden. Oder noch besser: Lege in den Einstellungen fest, wie viele Prozesse gleichzeitig im Hintergrund laufen dürfen. Das hilft auch dabei, den Akku zu schonen.

Fazit: Ja, das Neustarten kann ein Smartphone für kurze Zeit schneller machen. Ergiebiger ist es jedoch, die Anzahl der Apps und Prozesse im Hintergrund zu limitieren.

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